Verantwortungsbewusst oder Blockwart

...über Thailand, über Deutschland oder über irgendwas
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Hancock
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Verantwortungsbewusst oder Blockwart

#1

Beitrag von Hancock »

Wenn ich einen Banküberfall beobachten würde, würde ich sicherlich die Polizei rufen. Wenn jemand falsch parkt, würde ich das sicherlich nicht melden. Aber wo ist die Grenze? Wann meldet man etwas, wann nicht. Wo ist die Grenze zwischen Banküberfall und Falschparker?

Vielleicht kann man sich an "Straftat" und "Ordnungswidrigkeit" orientieren? Straftaten meldet man, Ordnungswidrigkeiten nicht. Aber so einfach ist es auch nicht: Wenn ich sehen würde, dass jemand Drogen verkauft, würde ich vermutlich drüber hinwegsehen. Wenn aber jemand dauernd auf dem Gehweg parkt, und mir als Rollstuhlfahrer oder Kinderwagenschieber permanent den Weg versperrt, würde mir vielleicht irgendwann der Kragen platzen, und ich würde ihn anschwärzen. Was, wenn jemand regelmäßig während der Coronazeit und Kontaktreduzierung Partys in seiner Wohnung feiert? Und somit sich und insbesondere andere gefährdet. Das würde ich wohl nicht melden, meine Schlüsse wären aber schnell gezogen, was ich von dem zu halten habe. Und aus dieser Schublade käme er nicht mehr raus. Aber man kann es natürlich auch anders sehen.

Was ist, wenn man einen Obdachlosen sieht, der in der kältesten Winterzeit nachts draußen schläft: Hilfe rufen oder nicht? Er macht es ja irgendwie freiwillig, nimmt kein Hilfsangebot in Anspruch. Was ist, wenn jemand sturzbetrunken in der Gegend rumläuft, nichts mehr peilt. Schnell torkelt er auf der Straße, bekommt nichts mit, ist eine Gefahr für sich und andere. Hilfe rufen oder nicht? In der Theorie sollte hier die Sache klar sein: Hilfe rufen. Aber würde man es wirklich machen? Ich hab keine Ahnung, wo die Grenze ist. :eyeroll:
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Lukchang (29.11.2020 16:12) • Prasat (30.11.2020 22:03)
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Lukchang
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Re: Verantwortungsbewusst oder Blockwart

#2

Beitrag von Lukchang »

Hast recht, Hancock!

Bin trotz konsequenter 'Eigen-Quarantäne' und viel Vorsicht nicht bereit, jeden unausgegorenen Kinken der verschiedenen Verordnungen zu befolgen. Gelegentlich hocken wir z.B. mit vier Leuten aus DREI Haushalten zusammen, mit vernünftigem Abstand und alle die ganze Zeit schon ohne die geringsten Symptome. Ich weiss, dass die anderen (Schwester meiner Frau und eine langjährige Freundin) privat auch extrem vorsichtig sind. Damit tun wir mehr für einen möglichst sicheren Umgang mit der Seuche als mit Erbsen-Zählerei.

Und ich lasse andere ihr Ding machen. Sollten sie mich echt nerven (exzessiver Lärm, Randale, Gefährdung irgendeiner Art) würde ich versuchen, die Sache im Gespräch zu klären. Vorzugsweise per Telefon - wäre ja in der 'Zusammenkunft' noch einer aus einem anderen Haushalt, muss nicht sein auch schon um mich nicht zu gefährden. Sollte das nicht helfen, würde ich auf die immerhin anwendbaren Verordnungen hinweisen.

Deine Einstellung in Richtung Drogen kann ich verstehen, würde da aber die Grenze zwischen Cannabis und anderen Dingen ziehen. Wobei ich - so fremd Dir das sein dürfte - diejenigen, die ihr Geld mit Tabak-Produkten machen in die gleiche tiefschwarze Kategorie wie Heroin-Dealer verorten würde, nur am Tabak verdient der Staat (kräftig) und das Zeugs killt erst langsam, viel später, und spart enorme Summen bei den Renten...

Lukchang
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Lukchang
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Re: Verantwortungsbewusst oder Blockwart

#3

Beitrag von Lukchang »

Moin-Moin aus Kiel!

Eben gefunden und möchte das zu meinem oben geäußerten Standpunkt bezüglich Nikotin-Sucht hinzufügen.

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagn ... 45f8c57d60

Persönlich betroffen, ja auch. Meine Eltern haben beide gequalmt wie die Fabrikschlote. Haben mir als ich 11 Jahre alt war, gesagt ich solle rauchen, wenn ich das wolle - sie könnten es mir nicht mit gutem Gewissen verbieten. Und haben gestutzt als ich ihnen verklarte, dass ich nen Teufel tun würde das Zeugs anzufassen, ich wolle nicht (mit 11 Jahren!!!) dass etwas so stark über mich Gewalt haben sollte wie ich es bei ihnen sähe. So haben sie leider (natürlich) weiter gequalmt. Meine Mutter ist mit 59 an einem mit ziemlicher Sicherheit durchs Rauchen bedingten Herzinfarkt gestorben. Mein Vater mit 62 ziemlich übel an einem Speiseröhren-Krebs. Auch ein typisches Raucher-Risiko. Sein Bruder - Onkel Paul der nie geraucht hat - wird in ein paar Tagen 93.

Meine Schwester hat tüchtig geraucht. Ist mit 55 Jahren ziemlich unschön an einem Mund/Zungenkrebs gestorben. Mein Bruder ist jetzt 66 Jahre alt, hat zwar vor 10 Jahren aufgehört zu Rauchen, laboriert aber an einen ziemlich beeinträchtigenden COPD - hat nur noch eine halbe funktionierende Lunge.

Mein Sohn raucht leider, meine Tochter (Gott und Buddha sei Dank) nicht. Hatte (und habe) zu ihr immer einen ganz besonderen 'Draht'. Verständnis und Offenheit statt Vorschriften. Ganz viel Vertrauen. Zu der Zeit als meine Frau sie zusammengeschissen hat, weil sie einen Freund hatte, habe ich sie in den Arm genommen, ihr gesagt sie soll ihren wachen Verstand nicht ganz ausschalten, das was sie machen will mit ganzem Herzen tun und 'volle Kanne' genießen.

Als sie mal irgendwie mit zwei Freundinnen auf den Bolzen kam, mit einer Shisha den 'ach so leckeren Tabak mit Erdbeer-Aroma' zu probieren, bin ich fast ausgeflippt, als sie mir das erzählte (ohne Vertrauen wär das kaum passiert!) - aber nicht gegen meine Tochter wütend! Fuchsteufelswütend gegen die abgrundtiefe Boshaftigkeit und Gewissenlosigkeit der Tabak-Industrie, die mit so einer Strategie dumme kleine Mädchen 'anfixen' wollte um sie dann die nächsten 40 Jahre abhängig zahlen zu lassen. Hand in Hand mit unserem Staat der die reichliche Tabak-Steuer kassiert. Und wenn sie sich dann mit 55 tothustet oder ihr die krebs-zerfressene Zunge aus dem Gesicht fällt dann ja, entlastet das sogar noch die KV und die Rentenkasse. Sara hat mir so vertraut, dass ich die Statements sogar für ihre Freundinnen nochmal machen konnte, die dann auch die Pfoten vom Tabak gelassen haben.

So Freunde, hoffe ihr könnt nachempfinden, warum ich Tabak-Verkauf auf eine Stufe mit Heroin-Dealen stelle...

Lukchang
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Hancock (02.12.2020 12:23) • ernte (02.12.2020 14:20) • Prasat (02.12.2020 21:02)
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Maenamstefan
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Re: Verantwortungsbewusst oder Blockwart

#4

Beitrag von Maenamstefan »

Ich lasse regelmässig Autos abschleppen, vor meiner Rentnerzeit so 3 x im Jahr, jetzt seltener, da ich das Auto wenig brauche. Die Deppen parken dauernd meine Hofeinfahrt zu...dauert ca. 45 Minuten bis die Polizei kommt, die rufen Abschlepper, keine 10 Minuten später ist das Auto wech...
Wenn ich nur mit dem Fahrrad vom Hof muss ist es mir Latte.
Falls bei mir im Haus grössere Partys gefeiert werden stört es mich bei normaler Lautstärke nicht. Sind auch ein paar WGs im Haus :cool:
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Hancock (02.12.2020 21:39) • joerghey (09.12.2020 21:03)
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Maenamstefan
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Re: Verantwortungsbewusst oder Blockwart

#5

Beitrag von Maenamstefan »

Hancock hat geschrieben: 29.11.2020 13:38 Wenn ich sehen würde, dass jemand Drogen verkauft, würde ich vermutlich drüber hinwegsehen...
Wenn nicht bräuchtest du in einigen Gegenden hier bei schönem Wetter eine Dauerschaltung zur Polizei ;-D
Keine Zukunft vermag gutzumachen, was du in der Gegenwart versäumst. (Albert Schweitzer)
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